Die Bücherstadt! Hier gibt es sage und schreibe 26 Buchläden und eine Binderei.
Es ist der letzte Tag des jährlichen Buch-Festivals in Hay. Hier ist gerade richtig etwas los in dem kleinen Städchen.
Wir besuchen einen der Vorträge am Nachmittag. Um Ehrlich zu sein, ist die Auswahl sehr begrenzt.
“Poetry pharmacy” – Gedichte können eine therapeutische Wirkung haben.
Unser letzter Tag dieser tollen Wanderung. Wales ist schön! Die Menschen hier sind unglaublich freundlich. Wir fühlen uns hier wohl. Irgendwie freuen wir uns, den Weg bald geschafft zu haben. Irgendwie wolllen wir nicht, dass es schon zu Ende geht.
Als wir dann am Ende in Poppits Sands an unserem letzten Strand stehen und dann auch noch ein Regenbogen über allem steht, da schiesst mir doch eine Träne ins Auge und ich schaue voller Wehmut noch einmal aufs Meer zurück.
Ein Stück weiter den Fluss hinauf ist es dann so weit und wir stehen am offiziellen Ende unseres Weges. 300 Km sind wir gewandert. Der Weg und das Wetter haben uns gefordert und belohnt. Heute hat der Weg noch einmal alles gegeben. Wir sind 32 km gelaufen. Anstatt 23 wie “gedacht”. Meine Schätzung war wieder einmal falsch…
Was jetzt?
Ein Bier zum Abschied! Der walisische Drache und das Schild “Boots welcome” ziehen uns ins gemütliche “Ferry Inn”.
Am Ende verschwimmt irgendwie die die Reise. Es sind einfach zu viele Eindrücke gewesen.
Das müssen wir jetzt erst einmal verarbeiten.
Zum Glück fahren wir noch nicht direkt nach Hause, sondern machen nach der Taxifahrt zurück zu unserem Auto erst noch Stopps in der Bücherstadt Hay-on-Wye und danach in Oxfort.
Wir verlassen unser nettes Appartement über den nicht ganz so schönen Hinterhof Eingangund kaufen noch schnell neue Taschentücher. Wir sind beide etwas erkältet. Dazu passend laufen wir an einem nassen Fenster vorbei, hinter dem Magariten stehen und irgendwie seltsam wirken. Das linke Fenster der Wohnung im gelben Haus haben wir noch immer nicht zu bekommen. Wieder geht es die kurvige und steile Strasse hinunter nach Lower Fishguard und den Hafen. Eine Brücke bringt uns auf die andere Seite des kleinen Flusses “Afon Gwaun” und vorbei an einem weiteren “Ship Inn”. Richtig kreativ sind die Pub Namen hier nicht! Wir kommen an das kleine alte Fort, dass mit seine Kanonen die Hafeneinfahrt beschützt hat.
Nach einiger Zeit überqueren wir einen Platz mit sehr ordentlichen Mobilheimen und ein paar Hobbit-Hütten. Oder wie immer man diese so nennt.
Etwas weiter sehen wir das Wrack der “Resolute“. Wir sind nich sicher ob es hier seltsam geparkt wurde oder gestrandet wurde. Google bestätigt später dad Letztere.
An einem Steinstrand bereiten Leute ihr Standup-Paddle-Board vor. Andere schlendern einfach herum. Jemand mach ein Foto von Steffi und mir.
Der Weg führt wieder Auf und Ab und Zick und Zack über die Klippen.
Die Büsche lassen die vorherrschende Windrichtung klar erahnen 😉
Immer wieder Schafweiden.
An einem weiteren kleinen Hafen erfreut uns überraschend ein Cafe.
Einer der vielen “Head”s hat einen offiziellen Vermessungspunkt (Stein).
Irgendwann wieder ein Beach, Mini Hafen, alte Kirchenruine mit Friedhof und leicht befremdlich – ein Standup-Board. Hier gibt es einen Wagen der Eis verkauft. Lecker!
Klippen, Klippen mit Stränden, mehr Klippen. Bänke erinnern oft an Verstorbene. Das gefällt mir ganz gut. Hier kann man mit fantastischer Aussicht sitzen und ihrer gedenken.
Newport ist wieder ein Tidenhafen. Die Menschen treffen sich hier und haben Spass am Wassersport.
Unser heutiges Zimmer im “Castle Inn” – wieder so ein kreativer Name – ist unter dem Dach. Wir überlegen kurz und entscheiden uns für Pizza. Mit einem IPA ist diese super lecker.
Wir gehen noch etwas durch den Ort, hoch in Richtung “Castle”, vorbei an einer trutzigen Kirche und dann noch mal zum Hafen. Der Sonnenuntergang lockt uns und beendet den Tag.
Das heutige Programm ist wieder schwer verständlich. Von Fishguard nehmen wir den Bus nach Abercastle. Das ist nur 1 Meile von Trefin, unserer vorherigen Unterkunft entfernt. Da es heute wieder super heiss wird, sparen wir uns dadurch jedoch ca 4 km Küstenweg. Abercastle hat einen kleinen Hafen. Sehr klein. Es ist nebelig. Wir gehen den kleinen Pfad neben dem Hafen hoch auf die Klippen, vorbei an einen Haus mit einem hübschen Delfin Fenster. Oben sehen wir überwiegend nichts. Nur Nebel. Eine besondere Atmosphäre…
Es geht durch “viel Material” (wie auf dem Küstenweg in Spanien damals ein alter Herr die ganzen Pflanzen nannte). Wir sind froh, dass es nicht geregnet hat und wir trocken bleiben.
Irgendwann verschwindet der Nebel und wir sehen wieder das Gewohnte: Felsen, kleine Strände, Schafwiesen.
Irgendwo sehen wir einen putzigen kleinen Wasserfall in den Felsen.
Ein Pferd sagt kurz Hallo, meidet jedoch direkten Kontakt.
Irgendwann kommen wir an Pwll Deri an – was auch immer das genau ist. Eine interessante Steinformation jedenfalls. Die hiesige Jugendherberge war ja leider nicht mehr zu buchen. Nur noch die *gesamte* Herberge – was uns eindeutig zu viel war.
Der letzte Weg zum Leuchtturm, den wir ja bereits von gestern kennen, zieht sich in die Länge. Hier müssen wir jetzt auf den (seltenen) Bus warten. Es ist sehr windig und wir verziehen uns erst einmal in die Bird-Watch Hütte (aka ehem. Radarstation). Ein Plakat an der Wand fragt: Wohin als nächstes? Das fragen wir und auch.
Die letzten 15 Minuten warten wir oben am Parkplatz und suchen Schutz vor dem Wind hinter einem Auto. Das ist mit lustigen Geckos beklebt.
Am Abend gibt es das gestern übrig gebliebene Bier und Salat.
Wir fahren wieder Bus. Diesmal von Fishguard zum Strumble Head. Der wirklich kleine Bus fegt mit seinem minimalen Fahrwerk abenteuerlich die schmalen und holperigen Straßen entlang. Immer wieder muss der Bus oder ein entgegenkommendes Fahrzeug zurück setzen in eine Ausweichbucht um den anderen passieren zu lassen. Britische Single Roads sind Abenteuer pur! Mit meinem Auto hatte ich da auch schon Spass. Wenn es ein “Hindernis” wahrnimmt, bremst est halt. Dann steht man dorten wie ein Volldepp und kommt weder vor noch zurück ohne die Assistenzsysteme zu deaktivieren. Und finde diese Option mal im Menü, wenn dir der Angstschweiß auf der Stirn steht. Die Busfahrer sind aber ja trainiert und so bringt uns der wilde Ritt direkt an den Parkplatz am Leuchtturm. Erst mal gucken. Der Übergang zur kleinen Insel auf dem der Leuchtturm steht, ist nur Befugten möglich. Schade!!! So machen wir also Fotos, gucken noch kurz die Birdwatch Hütte an, die eigentlich im WW2 eine Radarstation war und gehen dann los über den coast path. Der Weg heute ist nach all dem Erlebten schon fast ein bisschen langweilig. Die Langweile verschwindet in Gänze, als sich ein Gewitter ankündigt. Das ist hier auf den Klippen garnicht so richtig lustig! Wir laufen also ungewohnt schnell, um der Sache möglichst zu entgehen. Ein bisschen nass werden wir, es gibt Donner und auch Blitze – aber weitestgehend kommen wir an der Sache vorbei. Nach Harbour Village und Goodwick mit dem Fährhafen gehen wir in Fishguard noch über den Marine Walk bis zum kleinen Hafen in Lower Fishguard. Hier könnte man auch einen Piratenfilm drehen. Könnte?? Hier wurde tatsächlich damals ein Teil von Mobi Dick gedreht! Eine gewundene und steile Straße führt uns direkt bis vor unser Apartment. Hier hatten wir ja am Morgen die Rucksäcke im Hinterhof neben dem Müll abgestellt. Sie sind noch da und wir gehen hoch in unser heutiges Zuhause. Zwei Nächte bleiben wir hier. Das Apartement ist trotz der Anmutung des Hinterhofes und Treppenhauses sehr nett. Aus dem Erker-Fenster bietet sich eine schöne Sicht auf das Meer vor Lower Fishguard Harbour. Im Abendlicht so richtig kitschig schön.
Dieses Fenster macht uns im Folgenden dann Probleme. Es hat einen “restrictor”, ein Kabel mit Schloss, dass verhindert, dass man das Fenster weiter aufschiebt. Genau – es sind typische englische Schiebefenster. Irgendwie verkantet sich das Teil und wir bekommen es nicht mehr zu. Durch diesen Stopper ist es unmöglich, die eine Seite weiter anzuheben um die Verkantung vielleicht zu lösen. Shite!
Im CoOp kaufe ich halbfertigen Salat im Beutel, Sosse, Avocado, Hummus, Hüttenkäse, Greek Yoghurt und Blau- und Hinbeeren. Heute gibt es ein Abendessen, dass mir gesünder vorkommt als Pub food.
Schlafenszeit. Morgen geht es wieder früh raus. Wir müssen den “Strumble Shuttle” Bus nach Trefin erwischen um von dort die eigentliche vorherige Etappe zur heutigen zu laufen. Also bis zum Strumble Head. Das wird wieder spannend.
Heute wird es etwas komplizierter… Wir stehen früh auf. Ich hatte im City Inn gestern den “Mann hinter dem Tresen” gebeten, ob wir heute vielleicht früher als 08:00 frühstücken können. 15 min eher meinter er, gehen schon. 07:30 sind wir unten 😉 Die nette Dame macht uns Tee und Toast mit Ei. Poached egg ist unsere neue Entdeckung. Wir nehmen den Bus nach Trefin, unserem nächsten “Ziel”. Da suchen wir unser Hostel. Der Manager hatte meine Frage, ob wir unsere Rucksäcke deponieren könnten, nicht beantwortet. Wir versuchen es auf Geratewohl. Vor dem Hostel sitzt eine Frau, mit der wir reden. Sie sagt, Paul der Manager schlafe wahrscheinlich. Er schlafe viel. Wir könnten aber doch einfach unser Zeugs in die Gemeinschaftsküche stellen. Der Türcode sei etwas wie 123 oder so. Die Türe ist eh auf und wir stellen die Säcke hinter die Couch und hängen eine Notiz dran. Wir machen uns auf den Wander-Weg zurück nach Whitesands bei St Davids. Von dort bringt uns ein kleiner Bus nach St Davids an die town hall, wo ein anderer Bus uns wieder nach Trefin bringt. Zusammengefasst: wir sind also die Etappe heute rückwärts gelaufen um ohne die schweren Rucksäcke gehen zu können. Das ist dem Wetter geschuldet. Es ist sau-heiss. Die 25* im Schatten täuschen darüber hinweg, dass es der wärmste Mai Tag seit der Wetteraufzeichnung in UK ist. London hatte wohl 33,6 Grad. Und ich habe es ja neulich schon gesagt, hier gibt es keinen Schatten! Wir passieren wieder Klippen, Blumen, Strände. Willkommene Abwechslung ist der Haven von Portgain. Zwei lustige weisse Poller weisen auf die Hafeneinfahrt hin.Früher wurden hier Steine (zB zum Strassenbau) verladen. Von der gewaltigen Anlage über dem Hafen erzählen nur noch alte Mauern und ein Schild. An den Mauern wachsen Blumen.
Die “blue lagoon” ist sehr beliebt. Hier sind costeering Leute genau so unterwegs wie Standup Paddler. Immer wieder spring Jemand aus der Höhe ins Wasser.
Einige Meter weiter ist wieder ein Strand. Mit einem lustigen Eis Wagen. Den lassen wir aus und laufen lieber weiter. Das Eis gibt es dann später in St Davids… Hab ich schon erwähnt – es ist sau heiss. Bei mir ist daher “scilly hat day” und ich packe mir ein Buff unter die Mütze als Ohrenklappen, damit die Lauscher nicht weiter verbrennen. Spoiler: es folgen mehr scilly hat days…
Das Tagesziel heute ist Whitesands. Wie der Name vermuten lässt, ein ganz schöner Strand. Kurz davor sollte “St Davids Head” ein weiteres Highlight sein. Wir haben ein wenig Orientierungsschwierigkeiten auf den vielen kleinen Steinpfaden aber schaffen es irgendwie, schliesslich auf dem Kopf zu stehen. Steine halt.Die letzten Meter zum Strand sehe ich noch einen lustigen Stein, der in meiner Wahrnehmung aussieht wie ein halbes U-Boot.
Am Strand ist viel los. Auch auf den winzigen Bus warten einige. Wir kommen als letzte noch hinein und damit nach St Davids. Ein Eis verkürzt uns die Warrezeit, bis uns ein anderer Bus nach Trefin zu unseren Rucksäcken bringt.
Paul ist jetzt wach, zeigt uns alles und erzählt, er sei früher in Kaiserslautern und Heidelberg gewesen und hätte der US-Armee mit Computer Sachen geholfen.
Am Abend gehen wir in den Pub. Wir essen klassisch Fish and Chips und dazu Bier.
Hier gibt es WiFi und Steffi schreibt ihren WhatsApp Status. Ich habe keine Lust auf Schreiben und trinke lieber noch ein Bier.
Dieses “Konzept”, Rucksack ans Ziel bringen, dann die Etappe irgendwie laufen wie es die Bus-Logistik erlaubt, wird uns die nächsten Tage begleiten.
Was soll ich sagen? Heute geht es von Solva nach St. Davis. Wenn Solva sich einbildet ein cooler Ort zu sein – St. Davis IST es. Es war lange die kleinste Stadt Grossbritanniens, was damit zusammen hängt, dass es eine Kathedrale hat. Diese Kathedrale verändert unseren Plan. Sie hat nur bis 16:00 geöffnet. Wenn wir den Weg bis Whitesands gehen, dann sind es ca 20,6 km. Von dort müssen wir dann mit dem Bus nach St. Davids fahren. Das werden wir nicht schaffen und beschließen daher, erst zur Kathedrale zu gehen und danach ggf mit dem Bus nach Whitesanda zu fahren und wieder nach St. Davids zurück zu laufen. Klingt alles etwas seltsam, wenn man es nicht auf der Karte sieht.
Es ist mörder warm heute. Angeblich 20 Grad im Schatten. An der Küste GIBT ES KEINEN SCHATTEN!
Es fühlt sich an wie 35 und wir sind mit den Rucksäcken Schweiss gebadet.
Steffis Laune sinkt in den negativen Bereich. Hitze ist nicht ihr Ding.
Wir quälen uns mit einigen Pausen bis zum “City Inn”, unserer unterkunft in St. Davids.
Wir fragen, ob wir die Rucksäcke hier lassen können. Hier ist man (nicht wie in Solva’s “Shit Inn”!) super freundlich und hilfreich. Wir lassen die Last im Frühstücksraum stehen und gehen zur Kathedrale. Diese finde ich ausgesprochen hübsch!
Wir verbringen hier viel Zeit, essen Welsch Cream Tea (Welschcake mit clotted cream & jam) im integrierten ManGu Cafe und finden das alles gut!
Der Plan doch mit dem Bus nach Whitesands zu fahren und hier zuruzu laufen geht im Rauch des heissen Tages auf.
Wir bummeln noch ein wenig durch sen wirklich putzigen Ort, schaun in das eine oder andere Geschäft und kaufen nichts.
Es gibt schöne Sachen – aber wir meiden neues zusätzliches Gewicht im Rucksack.
Gegenüber dem Inn gibt es einen Supermarkt. Wasser und Taschentücher sind hier unsere Beute. Ich habe mich mal wieder erkältet und leide lautstark.
Neuer schwieriger Plan:
Morgen verfrühtes Frühstücken im City Inn, Bus nach Trefin, abladen der “Säcke” im Old School Hostel, Bus nach St Davids, Bus nach Whitesands, 18,6 km laufen, ab in den Pub in Trefin und ein Bier trinken. Fish and chips hatten wir zB. auch noch nicht.
Bis gespannt, wie das klappt.
Ich schiebe vom Bett aus den Vorhang beiseite. Ich sehe Strand. Genial.
Draussen stehen die Tische des “roots” bzw “Rwts”.
Im Restaurant mit Surfbrett Deko hängt eine leicht witzige Wein Empfehlung. Womöglich kein schlechter Wein. Einige Buchstaben gehen da ordentlich schief.
Pochiertes Ei auf Toast mit Avocado und creamcheese. Lecker!
Der Strand ist heute noch immer so toll wie gestern. Wir laufen die Promenade entlang und sehen eine sportliche Gruppe Frauen beim morgendlichen “Zumba”.
Ein paar Meter weiter stehen bereits bunte Sonnenschirme und warten auf die Hitze. Spoiler: Die kommt!
Immer der “Eichel” nach geht der Coast Path wieder über spektakuläre Klippen. Immer wieder werden diese von wunderschönen Stränden unterbrochen.
Wohnmobile und Wohnwagen aller Art scheinen sehr beliebt.
Nolton Haven bietet eine Kirche, Strand und ein Cafe. Begeistert bestellen wir Cappucino ( entschuldige Italien, es ist dafür schon viel zu spät, aber wir sind halt Banausen) und “sizilianischen Zitrone-Käsekuchen”.
Wir warten lange auf die Bestellung, haben aber ja gute Aussicht auf den Strand und langweilen uns nicht.
Kaffe und Kuchen sind sehr lecker. Das warten hat sich gelohnt.
Am Strand slippen ein Jeep und ein unglaublich lauter und stinkender Traktor je ein Motorboot ins Wasser.
Am Strand in der schönen kleinen Bucht herrscht reges Treiben. Es ist auch Sonntag…
Am Weg haben seltsame Raupen einen Busch komplett eingesponnen. Das ist ein wenig eklig und zugleich faszinierend.
Der nächste riesige Strand.
Wir essen Softeis.
Auf dem Parkplatz steht ein super erhaltener T-1 VW Bus. Ich spreche mit dem Besitzer der sich über meine Anerkennung des schönen Autos freut und mir erzählt, dass er bald nach Deutschland auf ein VW Treffen fährt.
Er hofft das beste, dort heil anzukommen. Ich wünsche ihm alles Gute und gehe weiter.
Die “Baywatch” hat den Strand im Blick. Die meisten Surfer scheinen noch nicht fortgeschritten. Die Kneipe macht ordentlich Musik und alle genießen den Tag. Direkt hinter dem Strand liegt ein grosser Campingplatz.
Grosse Autos, riesige Zelte, zumeist aber Wohnmobile. Camping ist längst nicht mehr “sparsam”, sondern eine Einstellung. Der Range Rover ist unter 120k eher nicht zu kriegen.
Weitere Surfer wohnen im Rosa Haus.
Für uns geht es wieder steil die Klippen hoch.
Endlich erreichen wir unser Ziel, den Ort Solva. Der Hafen fällt komplett trocken. Es riecht.
Das Harbour Inn sieht nett aus und ich hätte jetzt Lust auf ein Bier.
Wir sind nass geschwitzt und etwas eklig und gehen darum noch ein paar Meter weiter bis zum “ships inn”.
“Shit Inn” finde ich passender.
Wir betreten den Pub und stehen vor der Theke. Ich warte auf Blickkontakt um mein Anliegen vorzutragen, dass wir hier für heute ein Zimmer gebucht haben. Wir werden irgnoriert. Mehrere Minuten lang. Die “üblichen” Pub Gäste bestaunen uns jedoch als Fremdkörper.
Irgendwann gewahrt uns die Frau dann doch, brabbelt etwas von “bis 18:00 check in, wir hätten ja noch Glück gehabt” gibt uns den Schlüssel und erklärt noch kurz dessen Nutzung zum verlassen des ungastlichen Ortes.
Zimmer geht so. Steffi duscht, ich gehe “kurz” Wasser kaufen, bevor der einzige Laden schließt. Ich laufe bis zum anderen Ende des Ortes. Der Laden ist nicht schlecht.
Ich kaufe Wasser, Cider und irgend eine Backware.
Auf dem Weg zurück komme ich an ein Denkmal mit einer Bank. Die Krähen krächzen wie wild und ich trinke hier erst mal eine Dose Cider.
Ich dusche auch endlich und dann machen wir in Zimmer Picknick.
Cider, das Stück gerade gekauften Aprikose-Pflaumen Kuchen, Instant Nudeln und Haferflocken. Mehr Cider…
Und mein Geheimnis: Haribo Erdbeeren.
Die sind hier irgendwie sauer. Zuckersteuer?
Steffi meint, Solva versteht sich als das St. Ives Wales.
Ich sehe das anders. Dazwischen liegen Welten und zwei bis drei Pubs und ein paar Geschäfte mit unnötigen Dingen schaffen da noch keinen Vergleich.
Puffins!
Wir bekommen bei Kate ein tolles Frühstück: Greek Yoghurt mit frisch eingekochten Äpfeln und Blackberries, Crumpet und Muffin mit einem bröckligen roten Käse. Das ist alles sehr lecker.
Kate schreib uns noch eine Grußkarte, die wir ihrer Freundin nach Hay-On-Wye in ihren Buchshop mitnehmen.
Wir besichtigen noch ihre Kunst Studio und verabschieden uns ganz herzlich. Dann fährt uns Jim mit dem Auto nach Martins Heaven, wo wir für unser Boot einchecken.
Ũber den lustigen Steg, der fest montiert ist und je nach Tiede teilweise unter Wasser liegt klettern wir auf einen Katamaran.
Wir fahren die kurze Stecke bach Skomet Island und dann etwas entlang der Inselküste unglaublich viele Vögel gibt es hier zu sehen. 52.000 Puffins brüten mittlerweile auf der kleinen Insel. Dazu Razorbills und andere lustige Typen.
Mit viel Speed geht es zurück zum Anleger.
Wir holen im shop noch mal einen Kaffe und suchen die Bushaltestelle. Die sind hier meistens nicht ganz so offensichtlich. Die nette Frau am Parkplatz vom National Trust klärt uns auf. Da wir die Strecke ja bereits gestern gelaufen sind, wollen wir bis zur Kirche fahren. Ach was – wir haben eigentlich kein Lust zu laufen und fahren gleich bis Little Haven. Ein schmucker kleiner Ort. So stellt man sich ein Schmuggler Nest vor.
Kaffe ind Krabbensandwich am Strand und wir laufen noch ca 1,5Km bis zu unserem Ziel Broadhaven.
Wir müssen leicht desorietiert ausgesehen haben, als uns so ein blonder Surfertyp – der Chef vom “Rwts roms and resto” (spricht “roots” – in galisischen scheint ein “w” direkt mehrere Vokale im Umfeld zu ersetzen. 🙂 ) – anspricht wir seien zur rechten Zeit am rechten Ort. Recht hat er.
Zu Abend gibt es mal etwas halbwegs gesundes in Form einer super leckeren Budha Bowl.
Später kaufen wir uns noch Eis und bewundern den Sonnenuntergang an diesem tollen Strand.
Das “Rwts” liegt direkt an der einzigen Strandpromenade, die wir bisher gesehen haben. Unser Zimmer ermöglicht direkten Blick. Auch aus dem Bett heraus. Das nenne ich mal Luxus.
Heute ist ein langer Tag!
Wir stehen um 05:00 auf und quälen und rüber in den Sanitär-Container.
Es ist arsch-kalt.
Unsere Bauwagen / shepherd hut hat keine Heizung und nur eine Schafweide von den Klippen und Meer entfernt ist garnicht so sehr gemütlich am morgen.
Wir frühstücken Haferflocken, packen unser grosse “Geschabbel” zusammen und machen uns auf den Weg. Wir müssen einigermaßen pünktlich zur nächsten tidal crossing “The Gann” kommen.
Das passt und wir gelangen trockenen Fußes ans andere Ufer.
Die Hoffnung, in Dale im “Boathouse” Kaffe zu bekommen löst sich leider auf. Als ich eine der älteren Ladies die hier morgens im Meer baden nach den Öffnungszeiten frage. 10:00 ist für uns zu spät. Wir gehen nach einem mitgebrachten “crumpet” weiter.
Igendwamm kommen wir an das St. Ann’s Lighthouse.
Eigentlich sind es zwei. Der Alte ist ziemlich herunter gerockt und steht zum Verkauf. Nach viel Renovieren kǒnnte man darin auch ein nettes Cafe einrichten…
Kaffe wäre toll an dieser Stelle.
Weiter geht es bis wir Martins Heaven erreichen.
Hier kann man mit dem Boot nach Skomer Island fahren und Puffins und viele andere Seevögel sehen.
Die Fahrten mit “Landung” sind wohl ca 1 Jahr im Voraus ausgebucht.
Es gibt aber Bootstouren, die ein wenig um die Insel herum fahren und con denen man – gerade jetzt um die Zeit – auch die brütenden Vögel im den steilen Clippen sehen kann.
Spoiler: Am Abend buchen wir so eine für den nächsten Tag.
Wir laufen weiter am Meer vorbei an St Brides Castle und kommen dann zu St. Brides Church.
Ich schreibe unserer Gastgeberin Kate, dass wir die ganeze Strecke zu ihr laufen und noch eine Weile brauchen. Sie bietet an, uns abzuholen. Das nehmen wir dankbar an. Die knapp 32km heute waren genug.
Kate ist super!
Sie wohnt mit Jim und Hund Pip in einem schön renovierten Cottage.
Das hatten sie als Ruine (ohnr Dach, total zugewachsen) gekauft und in 10 Jahren renoviert.
Kate ist Malerin und wohnte früher in Haye-On-Why, der Bücherstadt die wir auf dem Heimweg noch besuchen wollen. Nach ihren Erzählungen steht unsere bereits angereifter Entschluss fest: wir canceln die Übernachtung auf dem Campingplatz (wo unser Auto steht) und haben das grosse Glück, dass in Haye wieder ein Zimmer verfügbar wurde.
Dort ist gerade dann ein Bücher- Festival und eigentlich alles ausgebucht.
In “unserem” Hotel gibt es einen Pool, in dem Kates Kinder schwimmen lernten.
Kate will uns nicht mit unseren Instant-Nudeln hängen lassen und kocht spontan etwas. Gemeinsam essen wir leckere Pasta und es gibt auch Bier und Wein.
So geht ein guter Abend!